Sepp Plieseis

Widerstandskämpfer und Gemeindebeamter

* 1913    † 1966

 

Lebenslauf

Sepp Plieseis wurde am 20. Dezember 1913 in Bad Ischl geboren. Er stammte aus einer Schusterfamilie. Sein Großvater Alois galt als einer der führenden Proponenten des „Goiserer-Schuhs“. Es gelang ihm mit unternehmerischem Weitblick diese Schuhe in Serie zu fertigen und somit auch außerhalb der Region bekannt zu machen.

Sepp Plieseis äußerte sich folgendermaßen über seine Kindheit und seinen Werdegang:

„Ich bin am 20. Dezember 1913 in Lauffen bei Bad Ischl geboren, habe in Bad Ischl die Volks- und Bürgerschule besucht, anschließend musste ich arbeiten und konnte daher keinen Beruf erlernen. Mein Vater brachte sich als Schuster und Steinmaurer durchs Leben und war ein eifriger Sozialist.“

Johann Plieseis (geboren im Jahre 1877), der Vater von Sepp, heiratete im Februar 1904 in Lauffen Josefine Danzer, die damals 22jährige Tochter eines bereits verstorbenen Tagelöhners aus Pinsdorf. Drei Kinder des Ehepaares starben schon als Kleinkinder. Sepp war das erste Kind, das über dieses Alter hinaus überlebte.

Sepp Plieseis verklärte im Rückblick seine Kindheit und Jugend. Er verdeutlichte damit auch, nur mehr für seine hehren Ziele zu leben.

„ Angeregt durch mein Elternhaus war auch ich seit meiner frühesten Jugend in der sozialistischen Bewegung tätig. War bei den Kinderfreunden gewesen, später bei der Sozialistischen Arbeiterjugend und beim Österreichischen Schutzbund. Im Jahre 1934 haben wir gekämpft in Ebensee gegen die Heimwehr. Aber nach den Februarkämpfen 1934 ist mir klar geworden, dass ein konsequenter Kampf gegen den Faschismus und gegen den Nationalsozialismus nur in der Kommunistischen Partei möglich ist. Nach reiflichem Überlegen entschloss ich mich daher, dieser Partei beizutreten (1934) und ihr meine ganzen Kräfte zur Verfügung zu stellen. In der illegalen Leitung der Organisation in Ischl übernahm ich die Verantwortung für die Organisation und Propaganda.“

Spanienkämpfer, KZ Dachau, KZ-Außenlager Vigaun, Flucht über die Berge

1934 war auch privat ein dramatisches Jahr für Sepp Plieseis. Sein Vater erhängte sich am 1. August 1934. Die genauen Hintergründe dieser Verzweiflungstat wären Mutmaßungen, und können somit nicht angegeben werden.

Er fühlte sich dem antifaschistischen Internationalismus verbunden. Somit beteiligte er sich ab 1937 an den Internationalen Brigaden in Spanien. Er kämpfte u.a. für die Verteidigung der republikanischen Demokratie als Sprengexperte, an der Hinterfront und an der Aragonfront.

Schließich flüchtete Sepp Plieseis nach dem Ende des Bürgerkriegs in Spanien nach Frankreich, wo er bald verhaftet wurde. Er geriet in verschiedene Anhalte- und Konzentrationslager wie Gurs, St. Cyprienne und Argiles. 1941 versuchte er wiederum zu fliehen und ins Salzkammergut zu gelangen. Er wurde beim Übertritt über die französische Demarkationslinie von den deutschen Behörden übernommen und als "Rot-Spanier" ins Polizeigefängnis Linz übergeführt.

Zunächst wurde er wegen einer noch offenen Verurteilung wegen Wilderei inhaftiert. Er lehnte es im Zuge dessen ab, in die deutsche Wehrmacht eingezogen zu werden, worauf hin er ins Konzentrationslager Dachau kam.

Von Dachau erfolgte dann die Überstellung in das KZ-Außenlager nach Vigaun bei Hallein. Dort befanden sich - in einem Ausbildungslager der SS - etwa 1.500 bis 2.000 SS-Männer. Landarbeiter aus der Umgebung halfen ihm, nachdem sein Rücktransport in das KZ Dachau bereits geplant war, am 23. Oktober 1943 über die Berge zu fliehen.

Aufbau einer Widerstandsgruppe ("Willy"), Unterschlupf im Versteck "Igel"

Sepp Plieseis gelangte bis zum Attersee weiter ins obere Salzkammergut, und tauchte schließlich im toten Gebirge unter. Er begann mit dem Aufbau einer Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus. Das Hauptziel bestand darin, einheimische Deserteure aus der Wehrmacht in den Bergen zu verstecken. Für die Angehörigen der Deserteure bestand große Gefahr, sodass die Partisanen dazu gezwungen waren, sich selbst mit Lebensmitteln zu versorgen, da jeglicher Kontakt zu Familien und Freunden vermieden werden sollte. Die Erfahrungen von Sepp Plieseis als Naturkundler und Wilderer erwiesen sich in diesem Zusammenhang als äußerst hilfreich.

Innerhalb von nur wenigen Monaten wuchs die Widerstandsgruppe auf gut 30 Personen an. Sie gab sich selbst den Decknamen “Willy”. Militärische Störaktionen waren zunächst keine geplant. Die nationalsozialistischen Behörden sahen sich jedoch allein schon durch die Existenz der Widerstandsgruppe in Alarmbereitschaft versetzt, schließlich waren im Salzkammergut einige kriegswichtige Rüstungsbetriebe der geplanten Alpenfestung angesiedelt. Zudem befand sich in der Nähe das Konzentrationslager Ebensee. Obzwar sich der Gebirgsunterschlupf der Gruppe nur wenige Kilometer Luftlinie von Aussee entfernt befand, konnte das “Igel” bezeichnete Versteck nie aufgespürt werden. Die Widerstandskämpfer verschleierten ihre Identität, indem sie Decknamen verwendeten, wenn sie im Gebirge Wanderern begegneten oder ins Tal gingen, um Lebensmittel und Arzneimittel zu besorgen.

Nach dem 2. Weltkrieg Sicherheitsberater der Amerikaner und Beamter der Stadtgemeinde Bad Ischl, Autor

Die Gruppe verließ erst ihr Versteck, als im Mai 1945 die US-Streitkräfte, von Salzburg kommend, auch Bad Ischl und Aussee besetzten. Sepp Plieseis agierte darauf hin als Sicherheitsberater der Amerikaner. Anschließend war er Beamter der Stadtgemeinde Bad Ischl. Er übte auch mehrere Funktionen innerhalb der KPÖ und des Bundesverbandes der österreichischen WiderstandskämpferInnen (KZ-Verband) aus.

Der Ministerpräsident der DDR, Otto Grotewohl, verlieh Sepp Plieseis 1959 die „Medaille für Kämpfer gegen den Faschismus 1933-1945“. Bereits kurz nach dem Krieg hatte Sepp Plieseis ein Buch über sein Leben mit dem Titel “Partisan der Berge” geschrieben, das in der DDR in mehreren Auflagen ediert worden ist (zuletzt 1987).

Tod in Folge einer Embolie, kein Nachruf, seine Frau Maria stirbt im Jahre 2003

Sepp Plieseis starb am 21. Oktober 1966 im Ischler Landeskrankenhaus an einer Embolie.
Sein Tod fand in den Lokalzeitungen keinen Widerhall, es ist kein Nachruf überliefert. Er war mit seiner um 7 Jahre jüngeren Frau Maria verheiratet, die im Jahre 2003 verstarb.

Auszug aus der Ischler Gemeindechronik

Bloß in der Ischler Gemeindechronik ist zu lesen: „Fachinspektor Josef Plieseis, am 20.12.1913 in Bad Ischl geboren, verstarb am 21.10.1966 an einer Embolie. Plieseis hatte ein bewegtes Leben hinter sich; im Jahre 1937 ging er nach Spanien und kämpfte im Bürgerkrieg gegen die Nationalen. Im Jahre 1940 wurde er nach dem Waffenstillstand mit Frankreich an Deutschland ausgeliefert und in einem KZ interniert. Im Jahre 1943 gelang ihm die Flucht und tauchte in den Wäldern des Salzkammergutes als Partisan unter. Beim Zusammenbruch im Jahre 1945 hatte er in der ersten Zeit verschiedene öffentliche Funktionen über und trat in den Gemeindedienst ein“

Fragmente des Widerstands

Das Freie Radio Salzkammergut und Redakteur David Guttner begaben sich im Jahr 2005 mit der Sendereihe „Fragmente des Widerstands“ auf Spurensuche. Sepp Plieseis und die von ihm gegründete Widerstandsgruppe nehmen in diesem Kontext eine wesentliche Rolle ein. Das achtteilige Radiofeature kann hier nachgehört werden.

Das Grab am Ischler Friedhof

Weblinks

Wir erinnern uns

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